Ein Atemgas hat nicht die eine universelle „Maximaltiefe“. Unterschiedliche Planungsgrößen können bei unterschiedlichen Tiefen erreicht werden. Die Ansicht Gasgrenzen nach Tiefe in Gas Blender Toolkit stellt drei davon nebeneinander:

  • Sauerstoffpartialdruck (PPO2),
  • äquivalente Narkosetiefe (END) und
  • Atemgasdichte mit einem bevorzugten und einem oberen Planungsrichtwert.

Es geht um den Vergleich. Änderst du das Gemisch oder eine Planungsannahme, zeigt die Ansicht, welche Grenze sich verschiebt, welche unverändert bleibt und welche zuerst erreicht wird.

Diese Werte sind Planungshilfen, keine Grenze zwischen sicher und unsicher. Weder dieser Ratgeber noch die App ersetzen Ausbildung, einen geeigneten Tauchplan oder die für Tauchgang und Ausrüstung geltenden Verfahren.

Schnelleinstieg

  1. Öffne Gasgrenzen nach Tiefe im Menü der App.
  2. Gib Sauerstoff- und Heliumanteil ein oder wähle ein Standardgas.
  3. Lies Grenztiefen für dieses Gas. Die Werte sind nach Tiefe sortiert und der zuerst erreichte Faktor wird ausdrücklich genannt.
  4. Nutze die MOD-Tabelle darunter, um PPO2, END, Dichte und Partialdrücke der Komponenten in einzelnen Tiefen zu betrachten.
  5. Öffne die MOD-Optionen, wenn die Annahmen einem anderen Verfahren oder einer anderen Ausbildungskonvention entsprechen sollen.

Der tiefste Wert in der Zusammenfassung ist keine Erlaubnis, das Gas dort zu verwenden. Liegt eine Grenze tiefer als die Sauerstoffgrenze, wird sie als außerhalb des Sauerstoffbereichs gekennzeichnet.

Nachvollziehbares Beispiel: Trimix 18/45

Mit Trimix 18/45 und den Standardannahmen der App zeigt die Zusammenfassung ungefähr:

PlanungsgrößeTiefe
Bevorzugte Gasdichte55,7 m
Sauerstoffpartialdruck67,6 m
Maximale Gasdichte68,3 m
Narkosetiefe75,6 m

Der bevorzugte Dichterichtwert wird zuerst erreicht. Der obere Dichterichtwert und die END-Einstellung liegen jenseits des PPO2-Bereichs und werden entsprechend gekennzeichnet. Das macht 55,7 m nicht automatisch zu einer freigegebenen Einsatztiefe. Es bedeutet, dass unter den aktuellen Annahmen die Gasdichte als erste der dargestellten Planungsgrößen erreicht wird.

Die Standardwerte dieses Beispiels sind: maximaler PPO2 1,4 bar, maximale END 30 m, bevorzugte Dichte 5,2 g/L und oberer Dichterichtwert 6,2 g/L. Sauerstoff und Helium werden standardmäßig nicht als narkotisch gezählt. Alle Annahmen sind sichtbar und einstellbar; andere Einstellungen sollen daher andere Tiefen ergeben.

Was ändert sich mit dem Gemisch?

Ein höherer Sauerstoffanteil verschiebt die PPO2-Grenze in geringere Tiefe. Mehr Helium reduziert im Allgemeinen sowohl die Dichte als auch den Stickstoffanteil an der Narkosewirkung; Dichte- und END-Grenzen können sich dadurch in größere Tiefe verschieben. Zwei Gase mit ähnlicher END können trotzdem unterschiedliche Dichten haben, und zwei Gase mit ähnlicher Sauerstoffgrenze können sehr verschiedene END-Werte besitzen.

Hier ist die Ansicht hilfreicher als ein einzelner MOD-Wert: Sie macht den Zielkonflikt sichtbar, statt nur die Sauerstoffexposition zu betrachten.

Warum die Narkoseannahmen wichtig sind

Die END beruht nicht auf einem allgemein einheitlichen Narkosemodell. In der App ist Stickstoff die narkotische Referenzkomponente; die relativen Beiträge von Sauerstoff und Helium sind Einstellungen.

Ob Sauerstoff mit dem Faktor null oder genauso narkotisch wie Stickstoff angesetzt wird, verändert die angezeigte END. Das ist eine Planungsannahme und keine von der App festgestellte Gaseigenschaft. Verwende die Konvention der betreffenden Ausbildung, des Teams oder Verfahrens und nenne sie beim Vergleich von Ergebnissen.

Warum der Realgas-Schalter diese Tabelle nicht verändert

Das Realgasmodell der App gilt für hoch komprimiertes Flaschengas und Mischberechnungen. Die MOD-Tabelle beschreibt Gas, das bei Umgebungsdruck geatmet wird. Seine Dichte wird aus den Komponentendichten bei 1 ATA berechnet und mit dem Umgebungsdruck skaliert.

Die Einstellung Ideal-/Realgas ändert diese Ansicht deshalb nicht. Eine Hochdruckberechnung in der Flasche und eine Atemgasberechnung in der Tiefe beantworten unterschiedliche Fragen.

CCR: das Gas im Loop berechnen, nicht nur das Diluent

Die Ansicht CCR Diluent END/MOD wendet denselben Gedanken auf das tatsächliche stationäre Loop-Gas beim gewählten PPO2-Setpoint an. Mit der Tiefe ändert sich der Sauerstoffanteil im Loop, während der Setpoint gehalten wird. Die Tabelle zeigt deshalb das resultierende Loop-Gemisch, END und Dichte nach Tiefe sowie die Tiefen, bei denen das Loop-Gas die eingestellten Dichterichtwerte erreicht.

Das ist nicht dasselbe wie die Dichte des Diluents allein und beschreibt keinen vorübergehenden Diluent-Flush. Es ist ein stationärer Vergleich am gewählten Setpoint.

So lässt sich die Ansicht sinnvoll erkunden

  1. Wähle EAN32 und notiere, welcher Faktor zuerst erscheint.
  2. Wähle Trimix 18/45 und vergleiche Reihenfolge und Abstand der vier Tiefen.
  3. Ändere nur den bevorzugten Dichterichtwert.
  4. Stelle ihn zurück und ändere nur den Narkosefaktor von Sauerstoff.
  5. Öffne die CCR-Ansicht, behalte ein Diluent bei und vergleiche zwei Setpoints.

Das wichtige Ergebnis ist keine auswendig gelernte Tiefe. Entscheidend ist zu erkennen, welche Annahme welche Grenze verschoben hat — und erklären zu können, warum.

Grenzen mit deinem eigenen Gas erkunden

Die Web-/PWA-Version ist kostenlos, installierbar und funktioniert nach der Installation offline.